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Baubeginn für die Rheinwasser-Pipeline

(NGZ) Sie gilt als ein Schlüsselbaustein in der Rekultivierung: Mit einem symbolischen ersten Spatenstich haben am Dienstagmittag nahe des Tagebaus Hambach offiziell die Arbeiten zum Bau der Rheinwasser-Transportleitung begonnen. Mehrere Milliarden Kubikmeter Wasser aus dem Rhein sollen durch die Pipelinestränge ab 2030 zunächst in den dann stillgelegten Tagebau Hambach strömen. Sechs Jahre später, 2036, soll Garzweiler geflutet werden.

Ziel ist in erster Linie ein selbsttragender Wasserhaushalt nach dem Bergbau, es geht aber auch darum, neue Chancen für den Tourismus zu schaffen. „Aus dem Rheinischen Revier wird das Rheinische Seenland“, sagt Lars Kulik, Braunkohle-Vorstandsmitglied bei RWE Power. Mit Blick auf das Pipeline-Projekt, das den Energiekonzern annähernd eine Milliarde Euro kosten wird, spricht Kulik von einer „Meisterleistung deutscher Ingenieurskunst“. Rund 9000 tonnenschwere Rohrelemente aus Stahl werden auf einer rund 45 Kilometer langen Trasse zwischen dem Fluss bei Dormagen-Rheinfeld und den Tagebauen in die Erde gebracht. „Dabei werden die Erft, Straßen und Naturschutzgebiete unterquert“, sagt Kulik.

Der symbolische erste Spatenstich fand nun dort statt, wo die ersten Rohrelemente verlegt werden: auf dem sogenannten Speedway im Stadtgebiet von Elsdorf (Rhein-Erft-Kreis). Dabei handelt es sich um eine ehemalige Fernbahntrasse, auf der Abraum und Löss zwischen Hambach und dem ehemaligen Tagebau Bergheim transportiert wurden. Zwischenzeitlich wurde die Trasse als Fahrrad- und Freizeitweg genutzt, nun aber ist sie für die Bauarbeiten gesperrt. „In zwei Jahren werden wir hier durch sein“, sagt Karsten Waschke, der das Mammutprojekt bei RWE leitet. In Kürze beginnen auch die Arbeiten bei Dormagen.

Zur Mitte des Jahres, so Waschke, soll es auch in Grevenbroich-Allrath losgehen. Am Rande des Dorfs wird ein Verteilbauwerk errichtet , an dem die drei im Durchmesser je 2,20 Meter starken Leitungen mit Rheinwasser ankommen. Das Wasser wird von dort aus in Richtung der Tagebaue gepumpt, die Leitungen zweigen entsprechend nach Hambach und Garzweiler ab.

Zum Baubeginn auf dem sieben Kilometer langen Speedway waren zahlreiche Verwaltungschefs aus der Tagebauregion erschienen, darunter Katharina Reinhold, Landrätin im Rhein-Kreis Neuss. 22 Kilometer der Pipeline-Trasse verlaufen durch „ihr“ Gebiet. Reinhold und viele weitere Verwaltungschefs signierten das erste Rohrelement. Für die CDU-Politikerin ist die Transportleitung ein Symbol für den Strukturwandel, das sie mit Blick auf die Seen auch mit Tourismus verbindet. „Das sollten wir mit Selbstbewusstsein nach vorne stellen“, sagt Reinhold. Die neue Landschaft „müssen wir für uns nutzen“. Gleichwohl: Bis die Seen gefüllt sind, werden noch Jahrzehnte vergehen – 70 Jahre lang soll das Wasser durch die Röhren strömen. Bei all dem dürfe nicht außer Acht gelassen werden, welche Bedeutung das Rheinwasser auch für die Stabilisierung des Grundwasserhaushalts in der Region hat, sagt Reinhold.

Für die Stadt Grevenbroich hat Philipp Bolz als stellvertretender Bürgermeister das erste Rohrelement signiert. Der SPD-Politiker kommt aus Allrath, dem Ort, dem mit dem Verteilbauwerk eine besondere Bedeutung zukommt. Die Dorfgemeinschaft hatte sich unter anderem dafür eingesetzt, dass der L-förmige Baukörper mit einer Glasfassade ausgestattet wird, durch die Besucher ins Innere blicken können. „In der Bauphase wird es auch eine Sprechstunde für Bürger in Allrath geben“, sagt Bolz, der sich in der Angelegenheit am Dienstag noch einmal vergewisserte.

Allein durch die Größe des einen Rohrelements, auf dem die Verwaltungschefs unterschrieben, wurde den Besuchern des Spatenstichs die Dimension des Projekts deutlich. Mit einem dicken Filzstift verewigte sich auch der Bürgermeister der Stadt Erkelenz, Stephan Muckel, auf Rohr Nummer eins. Der CDU-Politiker ist ein groß gewachsener Mann, der, würde er sich in das Rohrelement stellen, wohl fast aufrecht stehen könnte. Die Rheinwasser-Pipeline habe auch für Erkelenz als Tagebau-Anrainerkommune eine „immense Bedeutung“, wie Muckel sagt: „Wir haben die Befüllung von Garzweiler ab 2036 vor Augen – auch wegen der Internationalen Gartenausstellung 2037.“ Die Besucher der Großveranstaltung rund um Garzweiler sollen dann immerhin einen See in der Entstehungsphase zu Gesicht bekommen.

Die für Bergbau-Angelegenheiten zuständige Bezirksregierung in Arnsberg hatte den Bau und den Betrieb der Pipeline Ende Januar bestätigt, RWE Power hatte das „Go“ der Behörde sehnsüchtig erwartet. Die Pläne, die Gruben eines Tages zu fluten, reichen bereits lange Zeit zurück: In den Genehmigungen der Tagebaue Hambach und Garzweiler war bereits in den 1970er- beziehungsweise in den 1990er-Jahren festgelegt worden, dass sie mit Rheinwasser gefüllt werden sollen.

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