(NGZ) Bei RWE Power hatte man sie sehnsüchtig erwartet, seit Donnerstag liegt sie vor: Die Bezirksregierung Arnsberg hat die Genehmigung für den Bau und den Betrieb der Rheinwasser-Transportleitung erteilt. Dem Mammutprojekt steht nun nichts mehr im Wege; RWE kann mit dem Bau der rund 45 Kilometer langen Pipeline beginnen. Bereits ab 2030 soll Wasser aus dem Rhein in den dann stillgelegten Tagebau Hambach strömen. Ab 2036 soll dann auch der Tagebau Garzweiler geflutet werden. Entnommen wird das Wasser dem Fluss bei Dormagen-Rheinfeld.
Der nun von der Abteilung „Bergbau und Energie“ der Bezirksregierung zugelassene Rahmenbetriebsplan galt als letzte noch ausstehende Hürde, die vor dem Start genommen werden musste. Bei der Genehmigung handelt es sich um ein Werk mit vielen Hundert Seiten. Gleichzeitig galt sie „nur“ als Formalie. Der Vorstandsvorsitzende von RWE Power hatte vor wenigen Wochen beim Barbaraempfang in Bergheim erklärt, dass man die Genehmigung „in Kürze“ erwarte.
Der Baustart (zumeist in offener Bauweise) soll im März erfolgen, und zwar am Tagebau Hambach bei Elsdorf. Ob dort auch schon einige der rund 3800 seit geraumer Zeit am Kraftwerk Neurath lagernden Stahlröhren zum Einsatz kommen, blieb am Donnerstag zunächst offen. Zu den technischen Details sollen in den kommenden Tagen und Wochen weitere Infos folgen. Wie RWE mitteilte, sollen bis zum Sommer auch Bauarbeiten für einen ersten Leitungsabschnitt bei Dormagen beginnen – und für das Verteilbauwerk bei Grevenbroich-Allrath, wo der Strang aus drei Röhren mit einem Durchmesser von je 2,20 Meter ankommen wird.
Dem L-förmigen Bauwerk am Fuße der Vollrather Höhe kommt bei dem Projekt eine Schlüsselrolle zu, denn dort wird das Wasser auf die beiden Gruben aufgeteilt und in teils etwas kleiner dimensionierten Stahlrohren weitergeleitet. Das Wasser soll über 40 Jahre hinweg strömen. Der Garzweiler See soll am Ende 2200 Hektar groß und bis zu 165 Meter tief werden. Die Rheinwasser-Transportleitung, heißt es bei RWE, trage maßgeblich dazu bei, die künftigen Tagebauseen mit Wasser zu befüllen, Feuchtgebiete im Naturpark Schwalm-Nette zu sichern und den Grundwasserhaushalt der Region zu stabilisieren.
Das Projekt, in das der Energiekonzern eine dreistellige Millionensumme investiert, wird in der Region allerdings auch kritisch gesehen: einerseits wegen der Menge von bis zu 18 Kubikmetern Wasser, die dem Rhein in Spitzenzeiten pro Sekunde entnommen werden sollen, andererseits wegen Bedenken hinsichtlich er Wasserqualität. RWE beruft sich auf konkrete Voruntersuchungen, die gezeigt haben sollen, dass der Rhein „ausreichend Wasser in Menge und Qualität für die Befüllung der Seen bereitstellen kann“.