(NGZ) Es ist ein Projekt der Superlative: Die Rheinwasser-Transportleitung, die ab 2030 den Tagebau Hambach und sechs Jahre später die Grube in Garzweiler fluten soll, kostet den Energiekonzern RWE nach eigenen Angaben einen „sehr hohen dreistelligen Millionenbetrag“. Durch das 45 Kilometer lange Röhrensystem soll über Jahrzehnte das Wasser aus dem Rhein fließen. Unter anderem über die logistischen Dimensionen des Vorhabens informierte einer der Projektleiter, Jiri Hlavka, im Ausschuss für Planung und Strukturwandel der Stadt Grevenbroich am Donnerstag.
Wie Hlavka berichtete, hat RWE kein Unternehmen in Europa gefunden, das in der Lage ist, Stahlrohre des benötigten Durchmessers in der erforderlichen Stückzahl herzustellen. Also werden die rund 9000 Einzelrohre aus der Türkei und Algerien importiert. Den Zuschlag hatte das türkische Stahlunternehmen Tosyali erhalten, das in beiden Ländern produziert. Die Röhren werden über das Mittelmeer und die Nordsee mit Frachtschiffen um halb Europa transportiert, auf speziell präparierte Güterwaggons verladen, und rollen anschließend direkt ins Rheinische Revier. Hierfür braucht es laut RWE insgesamt etwa 45 Schiffs- und 230 Bahntransporte.
Wegen der Menge von bis zu 18 Kubikmetern Wasser pro Sekunde, die dem Fluss entnommen werden sollen, aber auch wegen Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität, kritisieren Umweltschützer das Projekt. Doch Hlavka stellte im Ausschuss klar: „Wir saugen den Rhein nicht leer. Vielmehr wird die natürliche Strömung des Flusses bei der Entnahme genutzt“. Fragen zur Wasserqualität sind später Teil des weiteren Planfeststellungsverfahrens.
Anhand einer Karte erläuterte der Projektleiter, auf welchem Weg das Wasser in die Tagebaue fließen soll. Los geht es an der Wasserentnahmestelle, konkret bei Rhein-Kilometer 712,6 nahe Dormagen. Von hier aus wird das Wasser zunächst durch die knapp 22 Kilometer lange Bündelungsleitung über Dormagen und Rommerskirchen bis in das Verteilbauwerk nach Allrath gepumpt. Hier kommt das Wasser in drei Röhren mit einem Durchmesser von je 2,20 Metern an.
An dieser Stelle wird es dann aufgesplittet: Nach Garzweiler fließt das Wasser noch etwa vier Kilometer, die „Hambachleitung“ wird knapp 19 Kilometer lang sein. In den Zentrallagern Niederaußem und Neurath sind bis heute über 5400 Rohre angekommen. Von da aus werden die Pipeline-Elemente in Lkws zu den jeweiligen Bauabschnitten transportiert. Die Verlegung der Rheinwasser-Transportleitung in zwölf Abschnitten soll größtenteils in offener Bauweise auf landwirtschaftlichen Flächen erfolgen. Um eine Baustraße für Maschinen zu schaffen und die Rohrstränge in circa drei Metern Tiefe verlegen zu können, ist jeweils ein bis zu 70 Meter breiter Korridor nötig. Eigentümer und Nutzer der Flächen sollen entschädigt werden.
An manchen Stellen kann jedoch nicht gebaggert werden. Dort werden unterirdisch zunächst Beton-Hülsen durchs Erdreich gepresst, in die anschließend die stählernen Elemente zum Wassertransport gelegt werden. Anders ausgedrückt: Zuerst müssen Schutzrohre für jede Leitung verlegt werden, in die dann die eigentlichen Druckrohrleitungen kommen. Das betrifft unter anderem zwei Bahnlinien, die A57 und auch die Erft.
Für die Allrather dürfte besonders der Bau des Verteilbauwerks von großem Interesse sein. Baustart ist nach Angaben von RWE schon im Juli. Die örtliche Dorfgemeinschaft hatte sich dafür eingesetzt, dass das L-förmige Gebäude eine Glasfassade erhält, durch die Besucher ins Innere blicken können. Der Baukörper soll 62,5 Meter lang und 50 Meter breit werden. Darüber hinaus wird er über einen circa sechs Meter tiefen Keller verfügen, in dem vier Pumpen laufen, die das Wasser weiter befördern.
Bereits im Oktober 2023 erhielt RWE die Genehmigung für den Trassenverlauf zwischen dem Fluss bei Dormagen-Rheinfeld und den Tagebauen. Im Januar dieses Jahres erteilte die Bezirksregierung Arnsberg dann die Genehmigung für den Bau und den Betrieb der Rheinwasser-Transportleitung. Der von der Abteilung „Bergbau und Energie“ zugelassene Rahmenbetriebsplan galt als letzte noch ausstehende Hürde, die vor dem Start genommen werden musste. Mitte März folgte dann bei Elsdorf, nahe des Tagebaus Hambach, der „Spatenstich“ für die 45 Kilometer lange Pipeline.