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Pipeline kostet RWE fast eine Milliarde

(NGZ) In vier Jahren heißt es „Wasser marsch“: Bei RWE Power fällt in der kommenden Woche offiziell der Startschuss zum Bau der Rheinwasser-Transportleitung – ein Projekt der Superlative, das den Energiekonzern nach eigenen Angaben „einen sehr hohen dreistelligen Millionenbetrag“ kostet. RWE hat dafür in den vergangenen Jahren entsprechende Rückstellungen gebildet. Bis 2030 müssen rund 9000 Einzelrohre auf der 45 Kilometer langen Trasse zwischen dem Rhein bei Dormagen und den Tagebauen Hambach und Garzweiler in die Erde gebracht werden. Weil zwei beziehungsweise drei Röhren parallel verlaufen, wird das Leitungssystem am Ende rund 111 Kilometer umfassen.

Die ersten 4000 Pipeline-Elemente (jedes Rohr ist zwölf Meter lang und 15 Tonnen schwer) lagern am Kraftwerk Neurath . Von dort aus werden sie mit Lkw – zwei bis drei Ladungen pro Tag – zu den jeweiligen Bauabschnitten transportiert. Erste Arbeiten beginnen in den ersten Märztagen sowohl bei Dormagen-Rheinfeld als auch nahe des Tagebaus Hambach, also ganz am Anfang und ganz am Ende der Trasse. Insgesamt gibt es zwölf Bauabschnitte. Der Bau des Verteilbauwerks bei Allrath, dem bei dem Mammutprojekt eine zentrale Bedeutung zukommt, soll zur Mitte des Jahres starten. Dort wird das Wasser, das in drei Röhren mit einem Durchmesser von je 2,20 Metern ankommt, auf die Gruben von Hambach und Garzweiler aufgeteilt.

Während der dann stillgelegte Tagebau Hambach bereits ab 2030 geflutet werden soll, ist Garzweiler sechs Jahre später an der Reihe. Dann sollen jährlich bis zu 107 Millionen Kubikmeter Wasser aus dem Rhein in die Grube strömen. Zwischen Rhein und Tagebau wird das Wasser circa sechs Stunden unterwegs sein. In Garzweiler soll bekanntlich einer der größten Seen Deutschlands entstehen: 2215 Hektar groß und bis zu 170 Meter tief. Die „Badewanne“ soll am Ende 1,5 Milliarden Kubikmeter fassen. Dafür sollen dem Rhein in Spitzenzeiten bis zu 18 Kubikmeter pro Sekunde entnommen werden. Was viel klingt, entspricht nach RWE-Angaben allerdings weniger als einem Prozent der mittleren Abflussmenge des Flusses, die mit 2200 Kubikmetern pro Sekunde angegeben wird.

Die Verlegung der Rheinwasser-Transportleitung soll größtenteils in offener Bauweise erfolgen. Dafür ist ein 60 bis 70 Meter breiter Arbeitsstreifen erforderlich. Der ist nötig, um a) eine Baustraße für Maschinen zu schaffen und b) die Rohrstränge in circa drei Metern Tiefe zu verlegen. Die Pipeline-Elemente werden an Ort und Stelle verschweißt. Eigentümer und Nutzer der zumeist landwirtschaftlichen Flächen sollen entschädigt werden.

Es gibt aber auch ein paar Stellen, an denen nicht gebaggert werden kann. Dort werden unterirdisch im sogenannten Rohrvortrieb Beton-Hülsen durchs Erdreich gepresst, in die anschließend die stählernen Elemente zum Wassertransport gelegt werden. Nach Auskunft von RWE Power betrifft das rund 30 Stellen – darunter zwei Bahnlinien, die A57 und auch die Erft. Kreuzen wird die Rheinwasser-Transportleitung auch die B59 bei Allrath, wo allerdings so viel Platz ist, dass eine vorübergehende Umfahrung eingerichtet werden soll: Fahrer müssen dann für die Dauer der Bauarbeiten einen kurzen „Schlenker“ machen. Eine weitere Grevenbroicher Besonderheit: Bei Frimmersdorf queren die Wasserrohre auch Gasleitungen.

Insbesondere für die Allrather ist der Bau des Verteilbauwerks von großem Interesse: So hatte sich die örtliche Dorfgemeinschaft dafür eingesetzt, dass das L-förmige Gebäude eine Glasfassade erhält, durch die Besucher ins Innere blicken können. In seiner Ausdehnung soll der Baukörper 62 Meter lang und 51 Meter breit werden – und sieben Meter hoch. Darüber hinaus wird es über einen circa sechs Meter tiefen Keller verfügen, in dem vier Pumpen laufen, die das Wasser weiter befördern.

Was die Einleitung des Rheinwassers in die Gruben betrifft: Im Fall Hambach gibt es bereits Visualisierungen, die zeigen, wie das Wasser in einer offenen Führung kaskadenartig in die Tiefe geleitet wird. Ob das auch in Garzweiler so realisiert wird, ist noch nicht bekannt. Der nördlichste Tagebau im Rheinischen Revier wird erst deshalb ab 2036 befüllt, weil dort theoretisch noch bis 2033 Braunkohle gefördert werden könnte. Eine Entscheidung, ob bestimmte Kraftwerksblöcke im Revier nach 2030 in den Reservebetrieb gehen, soll im Sommer fallen. Die übrigen Jahre werden benötigt, um das mehrere Quadratkilometer umfassende Areal auf die Einleitung des Wassers vorzubereiten. Die Befüllung der Seen von Hambach und Garzweiler mit Rheinwasser soll in den Jahren zwischen 2070 und 2100 abgeschlossen werden.

Wenn es um die Einleitung von Rheinwasser im großen Stil geht, werden immer wieder auch Bedenken hinsichtlich der Wasserqualität laut: RWE Power betont, dass die Wasserqualität im Verfahren mehrmals geprüft worden sei – mit dem Ergebnis, dass sie ausreichend ist, um einerseits die Seen und andererseits die Grundwasserkörper in der Bergbauregion aufzufüllen. Denn letztlich geht es nicht in erster Linie darum, eine touristisch attraktive Seenlandschaft zu schaffen, sondern vor allem um die Stabilisierung des Grundwasserhaushalts in der Region . Durch das Abpumpen des Grundwassers ist die Kohleförderung im Tagebau überhaupt erst möglich.

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