„Stromautobahn“ durch Grevenbroich?

(NGZ) Der Übertragungsnetzbetreiber Amprion will Energie, die in großen Offshore-Windparks in der Nordsee erzeugt wird, nach Nordrhein-Westfalen bringen. Dafür müssen dicke Kabel verlegt werden – auch quer durch das Rheinland. Amprion hat nun den möglichen Verlauf mehrerer Erdkabel-Trassen bekannt gegebenen. Eine Variante tangiert das Stadtgebiet Grevenbroich.

So könnten in einigen Jahren sechs Erdkabel mit einem Durchmesser von etwas mehr als 20 Zentimetern auf einem Korridor verlegt werden, der an Kapellen, Wevelinghoven, Langwaden, Hülchrath, Barrenstein und Allrath vorbei führt. Die Kabeltrasse könnte südlich von Grevenbroich aufgeteilt werden: drei Kabel sollen zu einer Amprion-Umspannungsanlage nahe Rommerskirchen und drei weitere zu einer Anlage bei Oberzier (Kreis Düren) geführt werden.

Für den Verlauf der „Stromautobahn“ gibt es mehrere Varianten. „Welche Variante am Ende kommt, ist noch nicht sicher“, sagt Linus Dahm, Sprecher für das Amprion-Projekt in NRW. Am Ende entscheide die Bezirksregierung Düsseldorf. Dort soll von April bis Oktober 2024 ein Planungsverfahren mit anschließender „Raumverträglichkeitsprüfung“ stattfinden. Ende 2024/Anfang 2025 soll demnach feststehen, ob Grevenbroich Teil des „Vorzugskorridors“ ist. Die Wahrscheinlichkeit liegt bei 50 Prozent. Amprion selbst will voraussichtlich im Februar unter allen möglichen Trassenverläufen seinen Favoriten bekannt geben.

Falls die „Grevenbroich-Variante“ zieht, wäre die „Stromautobahn“ das dritte große Infrastrukturprojekt, das die Verlegung unterirdischer Röhren quer durchs Stadtgebiet erfordert. Bekanntlich sollen auch für andere Projekte Pipelines verlegt werden: für den Transport von Rheinwasser hin zu den Tagebauen Garzweiler und Hambach – und perspektivisch wohl auch für die Versorgung von Grevenbroich mit Trinkwasser aus einer Quelle bei Moers.

Falls die Erdkabel den Norden und den Osten des Stadtgebiets durchqueren sollen, müssten sie einige Hindernisse queren: die Autobahn 46 nahe der Anschlussstelle Kapellen beispielsweise, eine Bahnlinie, und die Erft, ebenfalls bei Kapellen. Auch könnte die Rheinwasser-Transportleitung den Kabelsträngen „in die Quere“ kommen. In Betrieb genommen werden sollen sie zwischen den Jahren 2032 und 2036. „Wir sind uns bewusst, dass es etliche Hürden zu überwinden gilt“, sagt Projektsprecher Linus Dahm. So könnten die Kunststoffröhren, durch die die Kabel gezogen werden sollen, in Form geschlossener Querungen auch unter anderen Infrastrukturen hindurchgeführt werden.

Grundsätzlich aber soll die Verlegung der Kabel in offener Bauweise erfolgen – so ähnlich wie bei der Rheinwasser-Transportleitung. Nötig ist dafür ein „Baustreifen“ mit einer Breite von 67 Metern, der auch temporäre Baustraßen umfasst. Verlegt werden sollen die Kabel in einer Tiefe zwischen 1,60 und 1,80 Metern. Für einen Kilometer rechnet Amprion mit einer Bauzeit von drei bis fünf Monaten. Die Bodenschichten, die ausgehoben werden müssen, sollen getrennt voneinander gelagert werden.

Eigentümer der meist landwirtschaftlichen Flächen, unter denen die Kabel verlegt werden sollen, sollen für die Eintragung der Dienstbarkeit im Grundbuch entschädigt werden – auch sollen die Nutzer der Flächen (zum Beispiel Pächter) für den Nutzungsausfall während und gegebenenfalls auch nach den Bauarbeiten entschädigt werden. Wie hoch die Entschädigung ausfällt, hänge vom Wert des jeweiligen Bodens ab, erklärt Linus Dahm.

Amprion hat in den vergangenen Wochen Dutzende Städte und Gemeinden über die Pläne informiert und Abfragen gestartet; auch erste Infoveranstaltungen für Bürger haben bereits stattgefunden. Bislang hat es so etwas allerdings nicht in Grevenbroich gegeben. Gleichwohl hat die Stadt in den vergangenen Tagen auf ihrer Webseite auf das Amprion-Vorhaben informiert – das allerdings nur am Rande. Linus Dahm stellt für den Sommer nächsten Jahres auch Infoveranstaltungen in Grevenbroich in Aussicht.

Der Übertragungsnetzbetreiber bevorzugt für die Trassen Erdkabel, weil elektrische Energie dadurch über lange Strecken verlustarm zu Umspannungsanlagen geleitet werden kann. Auch sei hier eine Gleichstromübertragungstechnik von Nöten, Hochspannungstrassen über Land kämen hier nicht in Frage.

Der Hintergrund des Projekts, das den Titel „Windader West“ trägt: An der von der Bundesregierung angestrebten Klimaneutralität Deutschlands bis zum Jahr 2045 soll der Ausbau von Windparks in der Nordsee einen wichtigen Anteil haben. Die Energie von dort muss jedoch dahin gelangen, wo sie gebraucht wird – unter anderem in den dicht besiedelten Westen der Nation. Millionen Menschen sollen sicher, nachhaltig und zuverlässig mit Strom versorgt werden, Amprion verfolgt einen gesetzlichen Auftrag.

Windparks auf See sollen schon in elf Jahren so viel elektrische Leistung bereitstellen wie 50 große Kohlekraftwerke, nämlich 40 Gigawatt. Bis 2045 sollen es sogar 70 Gigawatt sein. Allein durch die beiden Dreier-Kabelbündel, die durch Grevenbroich verlegt werden könnten, sollen bis zu vier Millionen Menschen mit Strom versorgt werden können: Sie sollen zusammengerechnet vier Gigawatt Strom in die Region bringen.

Info

Dicke Kabel sind Teil der Energiewende

Kabel Insgesamt sollen vier Erdkabel-Bündel von den Offshore-Windparks in der Nordsee nach NRW geführt werden, eins davon zu einem Netzverknüpfungspunkt bei Rommerskirchen.

Strecke Die Kabel sollen auf einer Strecke von bis zu 800 Kilometern verlegt werden – durch einen Teil der Nordsee, das Wattenmeer, vor allem aber übers Festland.

Korridor In rund einem Jahr könnte feststehen, ob Grevenbroich Teil des „Vorzugskorridors“ für die Verlegung zweier Erdkabelbündel wird. So oder so werden weite Teile der Region von Bauarbeiten zur Verlegung der Kabelstränge betroffen sein.

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