(NGZ) Beim Mammutprojekt Rheinwasser-Transportleitung kommt dem 1800-Einwohner-Dorf am Fuße der Vollrather Höhe eine entscheidende Bedeutung zu: Rund 500 Meter südlich des Dorfs, zwischen Allrath und den Gleisen der Kohlebahn, soll ein Bauwerk entstehen, in dem das Rheinwasser künftig in Richtung der Tagebaue Hambach und Garzweiler gepumpt wird – es ist das sogenannte Verteilbauwerk. An der Stelle, an der es 2030 seinen Betrieb aufnehmen soll, werden nun erste Arbeiten sichtbar.
RWE und die Dorfgemeinschaft „Allrath aktiv“ nehmen das zum Anlass für einen feierlichen Baustart. Für Montag, 6. Juli, 16 Uhr, ist ein Festakt geplant, bei dem Interessierte nicht nur die Möglichkeit haben sollen, sich auf einem Bauteil per Autogramm zu verewigen. Auch sollen Bürger mit den Projektverantwortlichen von RWE bei einem Imbiss und erfrischenden Getränken ins Gespräch kommen können. So sollen auch die Pläne für den L-förmigen Baukörper (Seitenlängen: 50 und 62 Meter; Höhe: sieben Meter) noch einmal im Großformat gezeigt werden. Ort für den Festakt ist aber nicht der Acker, der bebaut wird, sondern die Grillhütte am wesentlich besser zugänglichen Kirmesplatz Bongarder Straße. Dort gibt es auch Strom, Wasser, Toiletten und Parkplätze.
Der offizielle Startschuss für die Bautätigkeiten am Ortsrand von Allrath soll dazu beitragen, das Projekt für die Dorfbewohner greifbar zu machen. Überhaupt ist RWE von Beginn an bemüht, Akzeptanz bei der Bevölkerung zu schaffen. „Wir hatten regelmäßig Infoveranstaltungen. Sicherlich gab es auch kritische Nachfragen. Aber die waren berechtigt und wurden beantwortet. Die Akzeptanz ist da“, sagt Cathrin Hassels von der Dorfgemeinschaft. Zum Festakt sollen sich Vertreter aus der Kommunal- und Kreispolitik angesagt haben, dazu Vertreter der Bezirksregierung und von RWE.
Schon zum offiziellen Start der Arbeiten zur Verlegung der knapp eine Milliarde Euro teuren Pipeline hatten sich zahlreiche (in dem Fall geladene) Gäste auf einem der gewaltigen Rohrelemente verewigen können, zum Beispiel Landrätin Katharina Reinhold. In Allrath wird es laut RWE-Sprecher Simon Lorenz ein symbolisches Bauteil sein, kein XXL-Rohr. Dem Unternehmen ist es wichtig, den Dialog mit den Allrathern zu pflegen; auch während der Bauarbeiten soll es Ansprechpartner geben.
Durch das 45 Kilometer lange Pipelinenetz soll ab 2030 Wasser strömen, um zunächst den Tagebau Hambach zu fluten. Die Befüllung des 22 Millionen Quadratmeter große Garzweiler Sees soll sechs Jahre später beginnen . Bis das „Becken“ gefüllt ist, werden voraussichtlich 40 Jahre vergehen. Das Projekt allgemein ist umstritten – Bedenken äußern Umweltschützer etwa in puncto Wasserqualität. RWE hält dagegen und verweist auf Untersuchungen, nach denen der Rhein ausreichend Wasser in Menge und Qualität für die Befüllung der Seen bereitstellen kann.